Erkenntnisse aus dem Silicon Valley Teil 3: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Der Herbst ist ins Land gezogen und ich habe meine Erkenntnisse aus meiner persönlichen Learning Journey in die USA (Chicago, Seattle, Portland und San Francisco) gleich in meine aktuellen Projekte eingebracht. Einige wichtige Punkte möchte ich aber an dieser Stelle noch teilen .

Im ersten Teil meiner Erkenntnisse aus dem Silicon Valley habe ich zur Kultur des Scheiterns und des Neuanfangs geschrieben. Fakt ist aber, dass die USA nur für einen eingeschränkten Teil der Bevölkerung (vornehmlich weiß, gut situiert und ausgebildet) das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, wo man dann auch einmal scheitern darf usw. Während meiner Jogging – Runden im Golden Gate Park zeigte mir dieses Land allerdings sein anderes Gesicht und mein Blick in die Statistik hat mein Gefühl bestätigt. Die Armut ist in den USA anteilsmäßig auf dem gleichen Stand wie in den 1960er Jahren, jeder 7. ist obdachlos. In der Früh im Golden Gate Park in San Francisco ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass die Möglichkeiten für einen Neuanfang für diese Menschen wohl begrenzt sind und dass uns auch kein hippes Tech Start up die Lösung dieser Probleme abnehmen wird.  An dieser Stelle war ich wieder sehr stolz auf unseren alten Kontinent und unser Bemühen um Chancengleichheit.

 

 

Erkenntnisse aus dem Silicon Valley Teil 2: Leistungsmotiv everywhere

Der Herbst ist ins Land gezogen und ich habe meine Erkenntnisse aus meiner persönlichen Learning Journey in die USA (Chicago, Seattle, Portland und San Francisco) gleich in meine aktuellen Projekte eingebracht. Einige wichtige Punkte möchte ich aber an dieser Stelle noch teilen .

Es gehört zu den Erkenntnissen der Motivationspsychologie, dass der aktuelle Narrativ z.B. in Schulbüchern die wirtschaftliche Entwicklung von Nationen beinflusst (z.B. die Entwicklung des BIP). Werden in Schulbüchern oder sonstigen Medien in Geschichten eine starke Leistungsorientierung vermittelt, so würde sich das zeitverzögert positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Auffallend waren für mich daher in Chicago und San Francisco die Werbeeinschaltungen und Plakate der unterschiedlichen Universitäten und Business Schools. Der Tenor auf allen Plakaten war immer der gleiche: Bewirb Dich, wenn Du Großartiges leisten willst, wenn Dein Arbeitstag nicht mit dem Abend endet sondern erst, wenn die Arbeit gemacht ist, wenn Du die Welt verändern willst, etc.

Ich frage mich, was das mit einer Nation macht und ob wir im Sinne der Motivationspsychologie Effekte sehen werden oder vielleicht sogar schon sehen.

Erkenntnisse aus dem Silicon Valley Teil 1: Wer scheitert wird nicht bestraft

Der Herbst ist ins Land gezogen und ich habe meine Erkenntnisse aus meiner persönlichen Learning Journey in die USA (Chicago, Seattle, Portland und San Francisco) gleich in meine aktuellen Projekte eingebracht. Einige wichtige Punkte möchte ich aber an dieser Stelle noch teilen .

Zur Kultur des Scheiterns in den USA wurde an anderer Stelle schon viel gesagt und geschrieben. Trotzdem ist es aus meiner Sicht noch ein weiter Weg von der Kategorie “Kennen wir und klingt grundsätzlich gut” zur Kategorie “Machen wir auch so.” Umso beindruckender war daher schon bei meiner ersten Reise nach San Francisco mit den Gründern eines Start ups über deren Einstellung zu Risiko und die Möglichkeit des Scheiterns zu sprechen. Auf meine Frage, was wohl der wichtigste Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Investoren sei, war die Antwort klar: Amerikanische Investoren rechnen damit, dass nur eines von zehn Investments aufgeht. Das Scheitern gehört damit dazu. Die neun gescheiterten UnternehmerInnen dürfen daraus lernen und weiter machen. Wir Europäer hingegen wollen bei allen Investments als Gewinner vom Platz gehen und sind dadurch übervorsichtig bzw. vergeuden kreatives Potenzial indem wir gescheiterte UnternehmerInnen vom Spiel ausschließen. Auch wenn nicht alles Gold ist, was im Silicon Valley glänzt, denke ich, dass es sich lohnt über dieses Thema nachzudenken und eine Kultur des Neuanfangs und des Lernens aus Fehlern zu etablieren.